Vorlage · Angebotsprozess

Der Angebotsprozess als fertiges Rechenmodell

Die Vorlage liegt in FlowVisual bei: sechs Schritte von der Anfrage bis zum versandten Angebot, mit Mengen, Bearbeitungsspannen, Kapazitäten und Sätzen bereits eingetragen. Sie ersetzen sechs Zahlen durch Ihre eigenen und sehen in zwanzig Minuten, welcher Schritt Ihre Angebote wirklich aufhält. Meist nicht der, den das Haus verdächtigt.

Schritte6
Anzupassen6 Zahlen
Aufwand20 Minuten
KennzeichnungBeispielmodell
Kurz gesagt

Die Vorlage Angebotsprozess bildet den Weg von der Anfrage bis zum versandten Angebot in sechs Schritten ab: Anfrage erfassen, technische Klärung, Kalkulation, Freigabe, Angebot schreiben, Versand und Nachfassen. Sie ist auf 550 Anfragen im Jahr eingestellt, rund 2,2 an einem Arbeitstag, mit Bearbeitungsspannen, Rollenkapazitäten und Vollkostensätzen eines mittelständischen Zulieferers. Im Stresstest über 20 000 Läufe ist die technische Klärung in 79 % der Läufe der bindende Engpass und die Freigabe in 21 %; alle übrigen Schritte in keinem. Die Durchlaufzeit liegt im Median bei 0,7 Arbeitstagen und am starken Tag (P90) bei 7,2. Die Spreizung zwischen beiden ist der eigentliche Befund, nicht der Mittelwert.

Bearbeitungszeit

3,7h

Summe aller sechs Schritte je Angebot.

Durchlaufzeit P50 → P90

0,7 → 7,2Tage

Normaler Tag gegen starken Tag. Die Spreizung ist der Befund.

Engpass: technische Klärung

79%

Anteil der Läufe, in denen dieser Schritt bindet.

Vorlagen gesamt

6

Auftrag, Angebot, Rechnungsfreigabe, Reklamation, Onboarding, IT-Ticket.

01Modell

Was in der Vorlage steht

Die Zahlen stammen aus einem Beispielmodell, nicht aus einem Kundenmandat. Sie sind so gewählt, dass sie einem mittelständischen Zulieferer entsprechen. Als Startpunkt, nicht als Referenz.

Eingang: 550 Anfragen im Jahr, also rund 2,2 an einem Arbeitstag, mit einer Tagesstreuung von 26 % und einem Spitzenfaktor von 1,35 an 7 % der Tage.

SchrittRolleBearbeitungKapazitätLast ØLast am Spitzentag
01 Anfrage erfassenVertriebsinnendienst10–22 min12/Tag19 %26 %
02 Technische KlärungKonstruktion70–140 min1 Person × 5 h → 2,6/Tag87 %133 %
03 KalkulationKalkulation30–70 min5/Tag45 %62 %
04 FreigabeVertriebsleitung5–14 min3,4/Tag67 %92 %
05 Angebot schreibenVertriebsinnendienst20–40 min8/Tag28 %39 %
06 Versand & NachfassenVertrieb10–20 min10/Tag23 %31 %

Der entscheidende Befund. Die Konstruktion gibt dem Angebotsprozess fünf Stunden ihres Tages. Der Rest gehört den laufenden Projekten. Fünf Stunden mal 89 % Nutzgrad sind 267 Minuten; bei durchschnittlich 103 Minuten je technischer Klärung sind das 2,6 Vorgänge am Tag gegen 2,2 ankommende. Auf dem Papier reicht das. An einem starken Tag reicht es nicht.

Der Stresstest sagt genau das, und er sagt es als Wahrscheinlichkeit statt als Note:

SchrittEngpasswahrscheinlichkeitTage über Kapazität
01 Anfrage erfassen0 %0 %
02 Technische Klärung79 %29 %
03 Kalkulation0 %0 %
04 Freigabe21 %6 %
05 Angebot schreiben0 %0 %
06 Versand & Nachfassen0 %0 %

Die Spalte summiert sich auf 100 %, und das ist kein Zufall: Gezählt wird je Lauf genau ein bindender Schritt, der mit der höchsten Auslastung an diesem Tag. „79 %“ heisst deshalb nicht „zu 79 % ausgelastet“, sondern: an vier von fünf Tagen ist dieser Schritt derjenige, der den Durchsatz begrenzt.

Die Kalkulation, die im Haus als Bremse gilt, ist es in keinem einzigen Lauf.

02Anpassen

Die sechs Zahlen, die Sie ersetzen

Alles andere kann stehen bleiben. Wer mehr anpasst, verbessert das Ergebnis nicht, er verlängert nur den Termin.

  1. Anfragen pro Arbeitstag. Anfragen des letzten Jahres ÷ Arbeitstage. Steht im CRM oder in der Angebotsnummernfolge.
  2. Spitzenfaktor. Wie viele Anfragen kommen am stärksten Tag gegenüber einem normalen? Bei Angeboten meist messeabhängig oder saisonal; 1,3 bis 1,5 ist üblich. Ohne diesen Wert rechnen Sie einen Prozess, der nie unter Last steht. Genau unter Last entscheidet sich, ob ein Angebot rechtzeitig hinausgeht.
  3. Stunden, die die Konstruktion diesem Prozess gibt. Nicht die Kopfzahl. Die entscheidende Grösse ist der Anteil des Tages, den eine technisch klärende Person tatsächlich für Angebote hat, meist drei bis sechs Stunden, nie acht.
  4. Bearbeitungsspanne der technischen Klärung. Unteres und oberes Ende, nicht der Mittelwert. Die Spanne ist der Treiber: Sie geht als Streuung quadratisch in die Wartezeit ein, während der Mittelwert nur linear wirkt.
  5. Freigaben pro Tag. Wie viele Angebote gibt die Vertriebsleitung an einem Tag frei, wenn sie welche vorliegen hat? Diese Zahl entscheidet, ob die Freigabe der zweite Engpass ist. In der Vorlage ist sie es an einem von fünf Tagen.
  6. Vollkostensätze je Rolle. Bruttogehalt × 1,5 bis 1,8, geteilt durch rund 1 500 produktive Stunden im Jahr. Eine 50 000-Euro-Stelle kostet damit rund 53 € je Stunde, nicht die naiven 24 € aus Gehalt ÷ 2 080 Stunden. Mit dem naiven Satz ist Ihre Euro-Aussage später angreifbar.

Gegenprobe, bevor Sie rechnen: Zählen Sie die heute offenen Anfragen und teilen Sie durch die Angebote, die Sie an einem Tag hinausbekommen (Little's Law). Kommt dabei ungefähr Ihre bekannte Durchlaufzeit heraus, ist das Modell brauchbar. Weicht es stark ab, fehlt eine Warteschlange, bei Angeboten fast immer die Rückfrage beim Kunden oder ein Lieferantenangebot, auf das gewartet wird.

Was die Vorlage nicht enthält. Die Durchlaufzeit ist Bearbeitung plus Warteschlange in Arbeitstagen. Feste Kalenderzeiten (die drei Tage, die ein Zulieferer für seinen Preis braucht, die Woche bis zum Rückruf des Kunden) sind nicht modelliert. Wer sie hat, trägt sie als eigenen Schritt ein; sonst rechnet das Modell schneller, als der Kunde es erlebt.

03Massnahmen

Vier Hebel, einzeln gerechnet

Immer nur einen Hebel je Lauf ändern. Drei gleichzeitig ergeben eine Zahl, die niemand einem einzelnen Hebel zuordnen kann, und damit keinen Business Case. Die folgenden vier Läufe sind mit derselben Vorlage gerechnet, jeweils mit genau einer geänderten Eingabe.

HebelDurchlaufzeit P90Last Klärung am SpitzentagNeuer wahrscheinlichster Engpass
Ist-Stand der Vorlage7,2 Tage133 %Technische Klärung (79 %)
1 Pflichtfelder bei der Erfassung1,6 Tage94 %Freigabe (69 %)
2 Konstruktion gibt 6 statt 5 Stunden3,7 Tage111 %Technische Klärung (56 %)
3 Zweiter Konstrukteur halbtags1,3 Tage89 %Freigabe (74 %)
4 Freigabe entlasten (Takt 3,4 → 6)6,9 Tage133 %Technische Klärung (99 %)

Hebel 1. Pflichtfelder bei der Anfrageerfassung. Die sechs Angaben, nach denen die Konstruktion ohnehin immer fragt, werden beim Erfassen abgefragt. Die Erfassung dauert dadurch länger (15–30 statt 10–22 Minuten), die technische Klärung kürzer (45–100 statt 70–140), weil die Rückfragerunde entfällt. Ergebnis im Modell: Der P90 der Durchlaufzeit fällt von 7,2 auf 1,6 Arbeitstage, die Auslastung der Konstruktion am Spitzentag von 133 % auf 94 %. Zeit am Eingang ist billiger als Zeit im Engpass. Das ist der ganze Satz.

Hebel 2. Mehr Konstruktionszeit für den Angebotsprozess. Eine Stunde mehr am Tag. Wirkt, aber weniger als erwartet: 111 % am Spitzentag statt 133 %, und die Klärung bleibt in 56 % der Läufe der Engpass. Das ist der ehrliche Preis dafür, dass ein überlasteter Schritt nicht linear reagiert.

Hebel 3. Zweiter Konstrukteur halbtags. Der teuerste Hebel, und im Ergebnis kaum besser als Hebel 1. Wer ihn trotzdem rechnet, sieht den Grund: Der Engpass wandert in beiden Fällen zur Freigabe, und ab dort begrenzt nicht mehr die Konstruktion.

Hebel 4. Die Freigabe entlasten. Der Null-Befund, und der lehrreichste. Die Freigabe ist mit 92 % am Spitzentag der zweitknappste Schritt; sie zu verdoppeln bringt 0,3 Tage. Denn solange die Klärung bindet, kommt bei der Freigabe gar nicht genug an. Ein Hebel am zweiten Engpass ist kein halber Erfolg, sondern keiner.

Rechnen Sie die vier einzeln und sortieren Sie nach Wirkung je Aufwand. Hebel 1 ist ein Formular, Hebel 3 ist eine Stelle, und im Modell liegen sie 0,3 Tage auseinander.

Wie aus 20 000 Läufen eine Prozentzahl je Schritt wird, steht im Artikel Monte-Carlo-Simulation für Prozesse; warum die Spreizung zwischen P50 und P90 die eigentliche Aussage ist, in P10, P50, P90 verstehen.

04Ergebnis

Was am Ende auf dem Papier steht

Nach Ist-Stand sichern, einem geänderten Hebel und einem zweiten Lauf gibt der Vergleich aus:

  • Durchlaufzeit vorher/nachher als P50 und P90. Die Zusage an den Vertrieb wird gegen das P90 gegeben, nicht gegen den Median. Wer „zwei Tage“ verspricht, weil der Median 0,7 sagt, verspricht etwas, das an jedem fünften Tag nicht hält.
  • Auslastung je Schritt am Spitzentag und der neue Engpass nach der Massnahme. In diesem Modell wandert er bei den beiden wirksamsten Hebeln zur Freigabe. Das ist der normale Ausgang einer Massnahme und kein Fehler.
  • Durchsatz als Angebote je Woche gegen die ankommenden. Im Ist-Stand gehen 10,3 von 11 hinaus; die Differenz ist kein Verlust, sondern der Rückstau, den der Engpass jede Woche neu aufbaut.
  • Personalkostenwirkung im Jahr als Spanne, aus Mengen, Zeiten und Vollkostensätzen. Die Vorlage rechnet mit rund 254 € Arbeitszeit je Angebot; 941 dieser Stunden im Jahr entfallen auf die Konstruktion.
  • Die Annahmenliste mit jeder geschätzten Eingabe. Der Satz „Wartezeit auf Lieferantenpreise ist nicht modelliert“ nimmt der schärfsten Rückfrage die Spitze, bevor sie gestellt wird.

Ausgegeben wird das als zwei PDF: Angebot für den Entscheider, Dokumentation für die Nachvollziehbarkeit, mit Ihrem Briefkopf, wenn Sie einen hinterlegt haben.

Dieselbe Vorlage, zwei Fragen. Diese Seite beantwortet die Rechenfrage: woher die 79 % kommen und wohin der Engpass wandert, wenn man ihn löst. Die andere Frage (was würde man empfehlen, und was kostet es, nichts zu tun) gehört zur Methode und nicht zum Werkzeug. Sie steht drüben im Analysen-Archiv von Flowrefy, zusammen mit dem Vorgehen, aus dem diese Vorlagen entstanden sind. Ein Datensatz, zwei Fragen, zwei Publika.

05Weitere

Die anderen Vorlagen

Sechs Modelle liegen bei. Alle nach demselben Muster: Struktur fertig, Zahlen typisch, sechs Werte anzupassen, genau ein klarer Engpass.

  • Die Auftragsabwicklung läuft von der Bestellung bis zur Auftragsbestätigung. Der Fall mit einer geteilten Rolle: zwei Schritte, die einzeln bequem aussehen, sind der Nachmittag derselben Person.
  • Der Angebotsprozess ist diese Seite.
  • Die Rechnungsfreigabe ist der Volatilitätsfall: im Mittel unter der Kapazität, am Monatsende darüber.
  • Bei der Reklamation sitzt der Engpass ausserhalb des Hauses, und die ehrliche Empfehlung lautet deshalb nicht „automatisieren“.
  • Das Mitarbeiter-Onboarding hat wenig Volumen und viele Beteiligte, und ein Schritt bindet 86 % der Läufe.
  • Das IT-Ticket zeigt klassisches Warteschlangenverhalten mit Verzweigung: 65 % sofort gelöst, 35 % ins zweite Level.

Jede Vorlage öffnet sich im Willkommensfenster über Vorlagen ansehen. Beim ersten Mal lohnt es sich, eine zu öffnen, bevor Sie ein eigenes Modell beginnen. Man baut sonst zu fein.

Auf einen Blick
Enthalten in
FlowVisual für macOS 13+ und Windows 10/11, im Willkommensfenster unter „Vorlagen ansehen“
Umfang
6 Schritte, Ankunft mit Streuung und Spitzenfaktor, Kapazitäten, Bearbeitungsspannen, Rollen, Systeme, Kostensätze, Ausfallannahmen je Schritt
Anzupassen
Anfragen/Tag, Spitzenfaktor, Konstruktionsstunden, Spanne der technischen Klärung, Freigaben/Tag, Stundensätze
Gerechnet mit
20 000 Läufen, Seed 42. Die App rechnet voreingestellt 400. Der Median steht dann gleich, der P90 wandert um einige Prozent
Typische Aussage
Engpass in der technischen Klärung (79 %), nicht in der Kalkulation (0 %)
Herkunft der Zahlen
Beispielmodell, keine Kundendaten. In der Vorlage als solches gekennzeichnet

Häufige Fragen

Sind die Zahlen der Vorlage echte Kundendaten?

Nein. Es sind Beispielwerte, die typischen Grössenordnungen eines mittelständischen Zulieferers entsprechen, und sie sind in der Vorlage als solche gekennzeichnet. Sie dienen dazu, dass ein Modell sofort läuft und man sieht, wie ein fertiges Modell aussieht. Ersetzt werden sollten sie durch die eigenen sechs Zahlen.

Was heisst „Engpasswahrscheinlichkeit 79 %“ genau?

Es heisst: In 79 von 100 simulierten Tagen ist die technische Klärung derjenige Schritt mit der höchsten Auslastung, der also den Durchsatz des ganzen Prozesses begrenzt. Es heisst nicht, dass der Schritt zu 79 % ausgelastet wäre; diese Zahl steht daneben und liegt im Mittel bei 87 %, am starken Tag bei 133 %. Je Lauf wird genau ein bindender Schritt gezählt, deshalb summieren sich die Werte aller Schritte auf 100 %.

Warum ist der Median mit 0,7 Tagen so viel kleiner als der P90 mit 7,2?

Weil ein Prozess knapp unter der Kapazitätsgrenze zwei Zustände hat und keinen Durchschnitt. An einem normalen Tag steht nichts an, und ein Angebot braucht ungefähr seine Bearbeitungszeit. An einem starken Tag reicht die Konstruktionszeit nicht, und der Rückstau vom Vormittag verlängert jeden Vorgang des Nachmittags. Der Mittelwert beschreibt keinen der beiden Tage. Genau deshalb gibt FlowVisual Spannen aus und weist die Auslastung am Spitzentag aus statt im Monatsmittel.

Wir haben eine Wertgrenze, ab der ein zweiter Freigeber unterschreiben muss. Lässt sich das abbilden?

Ja, über eine Entscheidung mit Routing-Anteil: Ein Teil der Angebote läuft über die zweite Stufe, der Rest nicht. Die Vorlage IT-Ticket zeigt dieselbe Konstruktion mit 65 zu 35 Prozent. Wenn Ihre gerechnete Durchlaufzeit deutlich unter der gemessenen liegt, fehlt meist genau so ein Zweig, oder eine Wartezeit auf jemanden ausserhalb des Hauses.

Warum bringt es fast nichts, die Freigabe zu beschleunigen?

Weil bei ihr nicht genug ankommt. Die Freigabe ist mit 92 % Auslastung am Spitzentag der zweitknappste Schritt, aber sie bekommt nur, was die technische Klärung durchlässt. Verdoppelt man ihren Takt, sinkt der P90 der Durchlaufzeit von 7,2 auf 6,9 Tage, und die Engpasswahrscheinlichkeit der Klärung steigt von 79 auf 99 %. Ein Hebel am zweiten Engpass ist kein halber Erfolg. Das ist der häufigste Grund, warum eine technisch erfolgreiche Massnahme in der Durchlaufzeit nicht sichtbar wird.

Brauche ich die Vorlage überhaupt, oder kann ich direkt anfangen?

Sie können direkt anfangen. Erfahrungsgemäss baut man das erste eigene Modell allerdings zu fein (dreissig Schritte statt sechs), und die zusätzliche Feinheit kostet Eingabezeit, ohne den Engpass zu verschieben. Dreissig Sekunden in einer fertigen Vorlage ersparen das.

FlowVisual

Vorlage öffnen und Ihre sechs Zahlen eintragen

FlowVisual laden, im Willkommensfenster „Vorlagen ansehen“ wählen, Angebotsprozess öffnen. Modellieren und Stresstesten kosten nichts.

Anleitung: in sieben Schritten zur Zahl