Vorlage · Rechnungsfreigabe

Rechnungsfreigabe als fertiges Rechenmodell

Die Vorlage liegt in FlowVisual bei: fünf Schritte, Mengen, Spannen, Kapazitäten und Sätze bereits eingetragen. Sie ersetzen sechs Zahlen durch Ihre eigenen und haben in zwanzig Minuten den Engpass Ihres Rechnungslaufs — samt Antwort auf die Frage, was Belegerkennung wirklich bringt.

Schritte5
Anzupassen6 Zahlen
Aufwand20 Minuten
KennzeichnungBeispielmodell
Kurz gesagt

Die Vorlage Rechnungsfreigabe bildet den Standardablauf vom Posteingang bis zum Zahllauf in fünf Schritten ab: Scan, Erfassung im ERP, sachliche Freigabe durch die Fachabteilung, Kontierung und Prüfung, Zahllauf. Sie enthält typische Mengen, Bearbeitungsspannen, Kapazitäten und Vollkostensätze für ein mittelständisches Haus mit rund 1 200 Eingangsrechnungen im Monat. Sechs Zahlen sind anzupassen — Volumen, Spitzenfaktor, Kapazität der Buchhaltung, Anzahl der Freigebenden, Freigaberhythmus und Stundensätze. Danach zeigt der Stresstest, dass der Engpass in aller Regel nicht bei der Erfassung sitzt, sondern beim Warten auf die sachliche Freigabe.

Bearbeitungszeit

20–30min

Summe aller Schritte je Rechnung.

Durchlaufzeit

8–12Tage

Was tatsächlich vergeht. Die Lücke ist Wartezeit.

Davon Freigabe

5–8Tage

Der Schritt, an dem der Prozess hängt.

Vorlagen gesamt

5

Angebot, Rechnungsfreigabe, Reklamation, Onboarding, IT-Ticket.

01Modell

Was in der Vorlage steht

Die Zahlen stammen aus einem Beispielmodell, nicht aus einem Kundenmandat. Sie sind so gewählt, dass sie typischen Grössenordnungen im Mittelstand entsprechen — als Startpunkt, nicht als Referenz.

SchrittRolleBearbeitungKapazitätBemerkung
Posteingang & ScanSekretariat2–4 min0,3 StellenPapier und PDF gemischt
Erfassung im ERPKreditorenbuchhaltung6–14 min1,5 StellenDer Schritt, den OCR angreift
Sachliche FreigabeFachabteilung3–6 min14 Personen, nebenbeiHohe Streuung, keine Vertretung
Kontierung & PrüfungKreditorenbuchhaltung4–8 minTeil der 1,5 Stellen
ZahllaufBuchhaltungSammelverarbeitung2× pro WocheErzeugt im Mittel 1,5 Tage Wartezeit

Eingang: rund 1 200 Rechnungen im Monat, also etwa 60 an einem Arbeitstag, mit Spitzenfaktor zum Monatsende.

Der entscheidende Befund: Die Summe der Bearbeitungszeiten liegt bei 20 bis 30 Minuten je Rechnung, die tatsächliche Durchlaufzeit bei acht bis zwölf Arbeitstagen. Zwischen beiden liegen rund drei Grössenordnungen, und diese Lücke besteht fast vollständig aus Wartezeit — überwiegend vor der sachlichen Freigabe.

Der Grund ist strukturell und hat nichts mit Nachlässigkeit zu tun: Freigeben ist kein Vollzeitjob, sondern eine Nebentätigkeit von vierzehn Personen. Daraus folgen sehr hohe Streuung (zehn Minuten oder sechs Tage) und fehlende Vertretung — zwei Eigenschaften, die zusammen die Wartezeit erzeugen.

02Anpassen

Die sechs Zahlen, die Sie ersetzen

Alles andere kann stehen bleiben. Wer mehr anpasst, verbessert das Ergebnis nicht — er verlängert nur den Termin.

  1. Volumen pro Arbeitstag. Rechnungseingänge des letzten Jahres ÷ Arbeitstage. Steht in der Kreditorenbuchhaltung oder im ERP-Bericht.
  2. Spitzenfaktor. Wie viele Rechnungen kommen am stärksten Tag gegenüber einem normalen? Meist Monatsende; Faktor 1,5 bis 2 ist üblich. Ohne diesen Wert rechnen Sie einen Prozess, der nie unter Last steht.
  3. Kapazität der Buchhaltung. Personen × produktive Stunden pro Tag. Faustregel: Stellenanteil × 7 Stunden, nicht × 8 — Besprechungen, Rückfragen und Störungen sind keine Bearbeitungszeit.
  4. Anzahl der Freigebenden. Wie viele Personen geben sachlich frei? Diese Zahl bestimmt die Streuung mehr als jede andere.
  5. Freigaberhythmus. Wie oft schaut eine freigebende Person im Schnitt in ihren Korb — täglich, zweimal die Woche, unregelmässig? Als Bearbeitungsspanne eintragen, nicht als Dauer der Freigabe selbst.
  6. Vollkostensätze je Rolle. Bruttogehalt × 1,5 bis 1,8, geteilt durch rund 1 500 produktive Stunden im Jahr. Eine 50 000-Euro-Stelle kostet damit rund 53 € je Stunde, nicht die naiven 24 € aus Gehalt ÷ 2 080 Stunden. Mit dem naiven Satz ist Ihre Euro-Aussage später angreifbar.

Gegenprobe, bevor Sie rechnen: Zählen Sie die heute wartenden Rechnungen und teilen Sie durch den Tagesdurchsatz (Little's Law). Kommt dabei ungefähr Ihre bekannte Durchlaufzeit heraus, ist das Modell brauchbar. Weicht es stark ab, fehlt eine Warteschlange — meist eine Rückfrage an den Lieferanten oder eine zweite Freigabestufe ab einer Wertgrenze.

03Massnahmen

Vier Hebel, einzeln gerechnet

Immer nur einen Hebel je Lauf ändern. Drei gleichzeitig ergeben eine Zahl, die niemand einem einzelnen Hebel zuordnen kann — und damit keinen Business Case.

Hebel 1 — Belegerkennung (OCR) für die Erfassung. Verkürzt die Erfassung erheblich. Rechnen Sie es durch, und beobachten Sie, was mit der Freigabe passiert: Sie bekommt nun die volle Menge statt einer gedrosselten und wird selbst zum Engpass. Die Durchlaufzeit sinkt deutlich weniger als die Erfassungszeit. Genau dieser Effekt ist der häufigste Grund, warum der Business Case eines Automatisierungsprojekts nicht eintritt.

Hebel 2 — Wertgrenze für die sachliche Freigabe. Rechnungen unter einem Schwellenwert ohne Einzelfreigabe, dafür Stichprobe im Nachgang. Das nimmt der Freigabe Menge, nicht Zeit — und wirkt deshalb dort, wo die Wartezeit entsteht.

Hebel 3 — Vertretungsregel und Pool. Nicht schneller freigeben, sondern die Streuung senken: feste Vertretung bei Abwesenheit, gemeinsamer Korb je Abteilung statt persönlicher Körbe. Die Wartezeit wächst quadratisch mit der Streuung — halbieren Sie diese, viertelt sich ihr Beitrag.

Hebel 4 — Zahllauf täglich statt zweimal wöchentlich. Der billigste Hebel überhaupt, meist eine Einstellung. Nimmt im Mittel rund einen Tag heraus.

Rechnen Sie die vier einzeln und sortieren Sie nach Wirkung je Aufwand. In fast allen Modellen dieser Art liegt Hebel 2 oder 3 vor Hebel 1 — und Hebel 1 ist derjenige, der im Markt angeboten wird.

Die ausführliche Auswertung dieses Beispiels steht im Artikel Rechnungsfreigabe: warum OCR die Durchlaufzeit nicht halbiert.

04Ergebnis

Was am Ende auf dem Papier steht

Nach Ist-Stand sichern, einem geänderten Hebel und einem zweiten Lauf gibt der Vergleich aus:

  • Durchlaufzeit vorher/nachher als P50 und P90 — die Zusage wird gegen das P90 gegeben, nicht gegen den Median.
  • Auslastung je Schritt am Spitzentag und der neue Engpass nach der Massnahme.
  • Personalkostenwirkung im Jahr als Spanne, aus Mengen, Zeiten und Vollkostensätzen.
  • Die Annahmenliste — jede geschätzte Eingabe, ausgewiesen. Der Satz „Rückfragen an den Lieferanten sind nicht modelliert“ nimmt der schärfsten Rückfrage die Spitze, bevor sie gestellt wird.

Ausgegeben wird das als zwei PDF: Angebot für den Entscheider, Dokumentation für die Nachvollziehbarkeit — mit Ihrem Briefkopf, wenn Sie einen hinterlegt haben.

05Weitere

Die anderen Vorlagen

Fünf Modelle liegen bei. Alle nach demselben Muster: Struktur fertig, Zahlen typisch, sechs Werte anzupassen.

  • Angebotsprozess — von der Anfrage bis zum versandten Angebot. Der Fall, in dem Durchlaufzeit direkt auf Umsatz wirkt statt auf Kosten.
  • Rechnungsfreigabe — diese Seite.
  • Reklamationsbearbeitung — der Engpass sitzt fast immer in der Rückfrage, nicht in der Bearbeitung.
  • Mitarbeiter-Onboarding — viele Beteiligte, wenig Volumen, hohe Streuung; der Fall, in dem Terminketten die Durchlaufzeit bestimmen.
  • IT-Ticket — Priorisierung und Eskalation, mit klassischem Warteschlangenverhalten.

Jede Vorlage öffnet sich im Willkommensfenster über Vorlagen ansehen. Beim ersten Mal lohnt es sich, eine zu öffnen, bevor Sie ein eigenes Modell beginnen — man baut sonst zu fein.

Auf einen Blick
Enthalten in
FlowVisual für macOS 13+ und Windows 10/11, im Willkommensfenster unter „Vorlagen ansehen“
Umfang
5 Schritte, Ankunft mit Spitzenfaktor, Kapazitäten, Bearbeitungsspannen, Rollen, Systeme, Kostensätze
Anzupassen
Volumen, Spitzenfaktor, Kapazität Buchhaltung, Anzahl Freigebende, Freigaberhythmus, Stundensätze
Typische Aussage
Engpass sitzt bei der sachlichen Freigabe, nicht bei der Erfassung
Herkunft der Zahlen
Beispielmodell, keine Kundendaten. Als solches gekennzeichnet

Häufige Fragen

Sind die Zahlen der Vorlage echte Kundendaten?

Nein. Es sind Beispielwerte, die typischen Grössenordnungen im Mittelstand entsprechen, und sie sind in der Vorlage als solche gekennzeichnet. Sie dienen dazu, dass ein Modell sofort läuft und man sieht, wie ein fertiges Modell aussieht — ersetzt werden sollten sie durch die eigenen sechs Zahlen.

Wie lange dauert die Anpassung an unser Haus?

Rund zwanzig Minuten, wenn die Zahlen vorliegen. Die längste Position ist meist der Freigaberhythmus, weil ihn niemand misst — hier hilft, drei freigebende Personen getrennt zu fragen und die Spanne aus deren Antworten zu bilden statt einen Mittelwert zu bilden.

Bringt Belegerkennung nichts?

Doch, aber selten das, was im Angebot steht. OCR verkürzt die Erfassung erheblich; die Durchlaufzeit sinkt jedoch nur so weit, wie der nächste Schritt die Menge aufnimmt. Da die sachliche Freigabe in diesem Prozess typischerweise der begrenzende Schritt ist, wandert der Engpass dorthin. Rechnen Sie den Hebel einzeln durch — dann steht im Business Case eine Zahl, die eintritt.

Wir haben eine zweite Freigabestufe ab einer Wertgrenze. Lässt sich das abbilden?

Ja, über eine Entscheidung mit Routing-Anteil: Ein Teil der Rechnungen läuft über die zweite Stufe, der Rest nicht. Wenn Ihre gerechnete Durchlaufzeit deutlich unter der gemessenen liegt, fehlt meist genau dieser Zweig oder die Rückfrage an den Lieferanten.

Brauche ich die Vorlage überhaupt, oder kann ich direkt anfangen?

Sie können direkt anfangen. Erfahrungsgemäss baut man das erste eigene Modell allerdings zu fein — dreissig Schritte statt acht —, und die zusätzliche Feinheit kostet Eingabezeit, ohne den Engpass zu verschieben. Dreissig Sekunden in einer fertigen Vorlage ersparen das.

FlowVisual

Vorlage öffnen und Ihre sechs Zahlen eintragen

FlowVisual laden, im Willkommensfenster „Vorlagen ansehen“ wählen, Rechnungsfreigabe öffnen. Modellieren und Stresstesten kosten nichts.

Anleitung: in sieben Schritten zur Zahl