Die Reklamationsbearbeitung als fertiges Rechenmodell
Die Vorlage liegt in FlowVisual bei: fünf Schritte von der eingehenden Reklamation bis zur Gutschrift, mit Mengen, Spannen, Kapazitäten und Sätzen bereits eingetragen. Sie ist der Fall, in dem der Stresstest von der naheliegenden Massnahme abrät, weil der begrenzende Schritt nicht im eigenen Haus liegt.
Die Vorlage Reklamationsprozess bildet den Weg von der eingehenden Reklamation bis zur Gutschrift in fünf Schritten ab: erfassen, interne Prüfung, Klärung mit dem Lieferanten, Entscheidung, Gutschrift oder Ersatz. Sie ist auf 1 900 Fälle im Jahr eingestellt, rund 7,6 an einem Arbeitstag. Im Stresstest über 20 000 Läufe ist die Klärung mit dem Lieferanten in 94 % der Läufe der bindende Engpass, die Entscheidung in 5 %, die interne Prüfung in 1 %. Der entscheidende Punkt: Dieser Schritt liegt ausserhalb des Unternehmens. Automatisiert man alle internen Schritte, sinkt die Arbeitszeit je Fall im Modell von rund 40 auf 25 Euro, die Durchlaufzeit am starken Tag aber nur von 5,62 auf 5,58 Arbeitstage. Die Ersparnis ist echt, das Tempoversprechen nicht.
85min
Summe aller fünf Schritte je Fall, davon 44 beim Lieferanten.
0,2 → 5,6Tage
Normaler Tag gegen starken Tag.
94%
Und er liegt ausserhalb des Hauses.
6
Auftrag, Angebot, Rechnungsfreigabe, Reklamation, Onboarding, IT-Ticket.
Was in der Vorlage steht
Die Zahlen stammen aus einem Beispielmodell, nicht aus einem Kundenmandat. Sie sind so gewählt, dass sie einem Handels- oder Industriebetrieb mittlerer Grösse entsprechen. Als Startpunkt, nicht als Referenz.
Eingang: 1 900 Reklamationen im Jahr, also rund 7,6 an einem Arbeitstag, mit einer Tagesstreuung von 28 % und einem Spitzenfaktor von 1,3 an 7 % der Tage.
| Schritt | Rolle | Bearbeitung | Kapazität | Last Ø | Last am Spitzentag |
|---|---|---|---|---|---|
| 01 Reklamation erfassen | Kundenservice | 6–14 min | 20/Tag | 39 % | 55 % |
| 02 Interne Prüfung | Qualitätssicherung | 6–13 min | 16/Tag | 49 % | 69 % |
| 03 Klärung mit Lieferant | Lieferant (extern) | 30–60 min | 1 Kanal × 7,5 h → 9,0/Tag | 87 % | 133 % |
| 04 Entscheidung | Qualitätssicherung | 8–18 min | 15/Tag | 53 % | 74 % |
| 05 Gutschrift / Ersatz | Buchhaltung | 6–14 min | 22/Tag | 35 % | 49 % |
Schritt 03 steht in der Vorlage mit einem Stundensatz von 0 €. Das ist kein Fehler: Es ist fremde Arbeitszeit. Sie kostet Sie keinen Lohn, sie kostet Sie Durchlaufzeit, und zwar die ganze.
Der entscheidende Befund. Die Engpasswahrscheinlichkeit je Schritt aus 20 000 Läufen:
| Schritt | Engpasswahrscheinlichkeit | Tage über Kapazität |
|---|---|---|
| 01 Reklamation erfassen | 0 % | 0 % |
| 02 Interne Prüfung | 1 % | 1 % |
| 03 Klärung mit Lieferant | 94 % | 29 % |
| 04 Entscheidung | 5 % | 1 % |
| 05 Gutschrift / Ersatz | 0 % | 0 % |
Die Spalte summiert sich auf 100 %: Je Lauf wird genau ein bindender Schritt gezählt, der mit der höchsten Auslastung an diesem Tag. In 94 von 100 simulierten Tagen ist das die Klärung mit dem Lieferanten.
Von den 85 Minuten Bearbeitung je Fall entfallen 44 auf diesen einen Schritt, und keine davon ist Ihre. Über die Hälfte des Prozesses liegt bei jemandem, den Sie nicht führen.
Die sechs Zahlen, die Sie ersetzen
Alles andere kann stehen bleiben. Wer mehr anpasst, verbessert das Ergebnis nicht, er verlängert nur den Termin.
- Reklamationen pro Arbeitstag. Fälle des letzten Jahres ÷ Arbeitstage. Steht im Ticketsystem oder in der Gutschriftenstatistik.
- Spitzenfaktor. Reklamationen kommen selten gleichmässig: eine schlechte Charge, ein Lieferwechsel, eine Saison. Faktor 1,3 bis 1,8 ist üblich. Ohne diesen Wert rechnen Sie einen Prozess, der nie unter Last steht.
- Durchsatz der Lieferantenklärung. Die wichtigste Zahl der ganzen Vorlage, und die einzige, die Sie schätzen müssen statt sie zu messen. Wie viele Fälle klärt Ihr Lieferant an einem Tag, wenn mehrere anliegen? Nicht, wie lange eine einzelne Klärung dauert: Das ist etwas anderes und wird an vierter Stelle eingetragen.
- Bearbeitungsspanne der Klärung. Unteres und oberes Ende. Bei externen Schritten ist die Spanne breit, und die Breite ist der Treiber: Streuung geht quadratisch in die Wartezeit ein, der Mittelwert nur linear.
- Anteil der Fälle, die überhaupt zum Lieferanten gehen. In der Vorlage sind es alle. Wenn bei Ihnen ein Teil intern entschieden wird, tragen Sie eine Entscheidung mit Routing-Anteil ein. Das ist der Hebel, den Abschnitt 03 als wirksamsten ausweist.
- Vollkostensätze je Rolle. Bruttogehalt × 1,5 bis 1,8, geteilt durch rund 1 500 produktive Stunden im Jahr. Den externen Schritt lassen Sie bei 0 €. Sonst rechnen Sie sich fremde Arbeitszeit als eigene Kosten an und die Euro-Aussage kippt.
Gegenprobe, bevor Sie rechnen: Zählen Sie die heute offenen Reklamationen und teilen Sie durch die Fälle, die Sie an einem Tag abschliessen (Little's Law). Kommt Ihre bekannte Durchlaufzeit heraus, ist das Modell brauchbar.
Was die Vorlage nicht enthält. Die Durchlaufzeit ist Bearbeitung plus Warteschlange in Arbeitstagen. Eine feste Rückmeldefrist („der Lieferant antwortet vertraglich binnen fünf Werktagen“) ist eine Kalenderzeit und keine Kapazität. Wer sie hat, trägt sie als eigenen Warteschritt ein; sonst rechnet das Modell schneller, als der Kunde es erlebt.
Vier Hebel, einzeln gerechnet, einer davon ein Null-Befund
Immer nur einen Hebel je Lauf ändern. Die folgenden vier Läufe sind mit derselben Vorlage gerechnet, jeweils mit genau einer geänderten Eingabe.
| Hebel | Durchlaufzeit P90 | Last Klärung am Spitzentag | Arbeitszeit je Fall | Engpass bleibt bei 03 |
|---|---|---|---|---|
| Ist-Stand der Vorlage | 5,62 Tage | 133 % | 40,33 € | 94 % |
| 1 Alle internen Schritte automatisiert | 5,58 Tage | 133 % | 25,45 € | 94 % |
| 2 Klärung gebündelt (30–60 → 20–40 min) | 0,25 Tage | 89 % | 40,33 € | 58 % |
| 3 Zweiter Klärkanal / Eskalationsstufe | 1,05 Tage | 102 % | 40,33 € | 76 % |
| 4 Interne Prüfung entlastet (Takt 16 → 24) | 5,59 Tage | 133 % | 40,33 € | 95 % |
Hebel 1. Alle internen Schritte automatisieren. Portal statt Telefon beim Erfassen, regelbasierte interne Prüfung, automatische Gutschrift. Die Arbeitszeit je Fall fällt im Modell von 40,33 € auf 25,45 €, also um 37 %. Die Durchlaufzeit am starken Tag fällt von 5,62 auf 5,58 Arbeitstage, also um 0,7 %.
Beides ist wahr, und der Unterschied zwischen beiden Sätzen ist der Grund, warum diese Vorlage existiert. Die Ersparnis ist echt; das Tempoversprechen im Angebot ist es nicht. Wer das Projekt an der Durchlaufzeit misst (und die Fachbereiche messen es daran, weil sie darüber klagen), hat ein technisch erfolgreiches Projekt, das als Enttäuschung endet.
Ob aus den 37 % Geld wird, ist eine zweite Frage: Der Durchsatz bleibt beim Lieferanten gedeckelt. Es wird nicht mehr abgearbeitet, nur billiger.
Hebel 2. Die Klärung selbst kürzen. Nicht schneller nachfragen, sondern anders: Sammelklärung statt Einzelfall, vollständiger Belegsatz beim ersten Anlauf, ein fester Ansprechpartner. Das drückt die Spanne von 30–60 auf 20–40 Minuten, und der P90 der Durchlaufzeit fällt von 5,62 auf 0,25 Tage. Der einzige Hebel in dieser Tabelle, der die Durchlaufzeit wirklich bewegt, ist der am externen Schritt.
Hebel 3. Zweiter Klärkanal oder Eskalationsstufe. Ein zweiter Weg zum Lieferanten, für Fälle über einer Wertgrenze. Wirkt (5,62 → 1,05 Tage), setzt aber die Mitwirkung der Gegenseite voraus, die einzige Grösse in diesem Modell, über die Sie nicht verfügen.
Hebel 4. Die interne Prüfung entlasten. Der Null-Befund. Die interne Prüfung liegt bei 69 % am Spitzentag und sieht damit nach dem zweiten Kandidaten aus. Erhöht man ihren Takt um die Hälfte, ändert sich die Durchlaufzeit um 0,03 Tage, und die Engpasswahrscheinlichkeit des Lieferantenschritts steigt von 94 auf 95 %. Sie war nie das Problem; sie stand nur daneben.
Die ehrliche Empfehlung dieser Vorlage lautet deshalb nicht „automatisieren“. Sie lautet: erst rechnen, ob die Massnahme dort ansetzt, wo der Prozess hängt. Das kostet zwanzig Minuten und entscheidet über eine Investition.
Warum eine Engpasswahrscheinlichkeit von 94 % unter der Automatisierung auf 94 % stehen bleibt und beim Entlasten des falschen Schritts sogar auf 95 % steigt, steht im Artikel Monte-Carlo-Simulation für Prozesse. Wie man Auslastung überhaupt liest, in Engpass berechnen.
Was am Ende auf dem Papier steht
Nach Ist-Stand sichern, einem geänderten Hebel und einem zweiten Lauf gibt der Vergleich aus:
- Durchlaufzeit vorher/nachher als P50 und P90. Bei dieser Vorlage ist der Vergleich das Ergebnis: Hebel 1 bewegt den P90 um 0,04 Tage, Hebel 2 um 5,4.
- Auslastung je Schritt am Spitzentag und der Engpass danach. Er bleibt bei drei von vier Hebeln, wo er war. Auch das ist ein Befund, und zwar der teuerste, den man vor einer Investition haben kann.
- Durchsatz als Fälle je Woche gegen die ankommenden: 35,6 von 38 im Ist-Stand.
- Arbeitszeitkosten je Fall und im Jahr, aus Mengen, Zeiten und Vollkostensätzen, mit dem externen Schritt bei 0 €, damit fremde Zeit nicht als eigene Kosten erscheint.
- Die Annahmenliste mit jeder geschätzten Eingabe. Bei dieser Vorlage vor allem der Durchsatz des Lieferanten: die einzige Zahl im Modell, die Sie nicht messen können.
Ausgegeben wird das als zwei PDF: Angebot für den Entscheider, Dokumentation für die Nachvollziehbarkeit, mit Ihrem Briefkopf, wenn Sie einen hinterlegt haben. Die Seite „Geprüfte Optionen“ nennt dabei ausdrücklich auch die Variante, die sich nicht lohnt.
Dieselbe Vorlage, zwei Fragen. Diese Seite beantwortet die Rechenfrage: woher die 94 % kommen und warum sie durch eine interne Massnahme nicht sinken. Die andere Frage (was würde man in dieser Lage empfehlen, und was kostet es, nichts zu tun) gehört zur Methode und nicht zum Werkzeug. Sie steht drüben im Analysen-Archiv von Flowrefy, zusammen mit dem Vorgehen, aus dem diese Vorlagen entstanden sind. Ein Datensatz, zwei Fragen, zwei Publika.
Die anderen Vorlagen
Sechs Modelle liegen bei. Alle nach demselben Muster: Struktur fertig, Zahlen typisch, sechs Werte anzupassen, genau ein klarer Engpass.
- Die Auftragsabwicklung läuft von der Bestellung bis zur Auftragsbestätigung. Der Fall mit einer geteilten Rolle: zwei Schritte, die einzeln bequem aussehen, sind der Nachmittag derselben Person.
- Der Angebotsprozess ist der Fall, in dem Durchlaufzeit auf Umsatz wirkt statt auf Kosten.
- Die Rechnungsfreigabe ist der Volatilitätsfall: im Mittel unter der Kapazität, am Monatsende darüber.
- Die Reklamation ist diese Seite.
- Das Mitarbeiter-Onboarding hat wenig Volumen und viele Beteiligte, und ein Schritt bindet 86 % der Läufe.
- Das IT-Ticket zeigt klassisches Warteschlangenverhalten mit Verzweigung: 65 % sofort gelöst, 35 % ins zweite Level.
Jede Vorlage öffnet sich im Willkommensfenster über Vorlagen ansehen. Beim ersten Mal lohnt es sich, eine zu öffnen, bevor Sie ein eigenes Modell beginnen. Man baut sonst zu fein.
- Enthalten in
- FlowVisual für macOS 13+ und Windows 10/11, im Willkommensfenster unter „Vorlagen ansehen“
- Umfang
- 5 Schritte, Ankunft mit Streuung und Spitzenfaktor, Kapazitäten, Bearbeitungsspannen, Rollen, Systeme, Kostensätze, Ausfallannahmen je Schritt
- Anzupassen
- Fälle/Tag, Spitzenfaktor, Durchsatz der Lieferantenklärung, Spanne der Klärung, Anteil externer Fälle, Stundensätze
- Gerechnet mit
- 20 000 Läufen, Seed 42. Die App rechnet voreingestellt 400. Der Median steht dann gleich, der P90 wandert um einige Prozent
- Typische Aussage
- Engpass ausserhalb des Hauses (94 %); interne Automatisierung senkt Kosten, nicht Durchlaufzeit
- Herkunft der Zahlen
- Beispielmodell, keine Kundendaten. In der Vorlage als solches gekennzeichnet
Häufige Fragen
Sind die Zahlen der Vorlage echte Kundendaten?
Nein. Es sind Beispielwerte, die typischen Grössenordnungen eines mittelständischen Handels- oder Industriebetriebs entsprechen, und sie sind in der Vorlage als solche gekennzeichnet. Sie dienen dazu, dass ein Modell sofort läuft. Ersetzt werden sollten sie durch die eigenen sechs Zahlen.
Warum steht der Lieferantenschritt mit 0 Euro pro Stunde in der Vorlage?
Weil es fremde Arbeitszeit ist. Sie erscheint nicht in Ihrer Lohnabrechnung und darf deshalb auch nicht in Ihrer Prozesskostenrechnung stehen. Sonst rechnen Sie sich eine Ersparnis aus, die nie auf Ihrem Konto lag. Was der Schritt Sie tatsächlich kostet, ist Durchlaufzeit, und die weist die Simulation getrennt aus. Wenn bei Ihnen der Einkauf die Klärung aktiv betreibt, tragen Sie dessen Zeit als eigenen Schritt ein statt den Satz zu erhöhen.
Automatisierung bringt bei diesem Prozess also nichts?
Doch, aber nicht das, was üblicherweise versprochen wird. Im Modell sinkt die Arbeitszeit je Fall von rund 40 auf 25 Euro, das sind 37 %. Die Durchlaufzeit am starken Tag sinkt dabei um 0,7 %, weil der begrenzende Schritt ausserhalb des Hauses liegt und von der Massnahme nicht berührt wird. Wer die Investition mit Kosten je Fall begründet, hat einen Business Case. Wer sie mit „schnellere Bearbeitung für den Kunden“ begründet, hat keinen.
Wie schätze ich den Durchsatz eines Lieferanten, den ich nicht messen kann?
Nicht am einzelnen Fall, sondern am Rückstau. Zählen Sie, wie viele Ihrer Fälle gerade beim Lieferanten liegen, und wie viele Klärungen in der letzten Woche zurückkamen. Der Quotient ist Ihre Wartezeit, und aus Rückläufen ÷ Arbeitstage ergibt sich der Durchsatz. Tragen Sie ihn als Spanne ein, nicht als Punktwert. Bei externen Schritten ist die Spanne die ehrlichere Angabe, und die Simulation kann mit ihr rechnen.
Ein Teil unserer Fälle geht gar nicht zum Lieferanten. Lässt sich das abbilden?
Ja, über eine Entscheidung mit Routing-Anteil, und es ist der wirksamste Hebel in diesem Modell. Wenn nur die Hälfte der Fälle den externen Schritt durchläuft, halbiert sich dessen Nachfrage, und mit ihr die Auslastung, die den ganzen Prozess begrenzt. Was in Ihrem Haus über den Anteil entscheidet, ist meist eine Wertgrenze oder eine Fehlerklasse, nicht der Einzelfall.
Brauche ich die Vorlage überhaupt, oder kann ich direkt anfangen?
Sie können direkt anfangen. Erfahrungsgemäss baut man das erste eigene Modell allerdings zu fein (dreissig Schritte statt fünf), und die zusätzliche Feinheit kostet Eingabezeit, ohne den Engpass zu verschieben. Dreissig Sekunden in einer fertigen Vorlage ersparen das.
Vorlage öffnen und Ihre sechs Zahlen eintragen
FlowVisual laden, im Willkommensfenster „Vorlagen ansehen“ wählen, Reklamation öffnen. Modellieren und Stresstesten kosten nichts.
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