Alle Artikel
Vergleich2. September 2026 · 4 Min Lesezeit

Kostenlose Prozesssimulation: sieben Werkzeuge und ihr wahrer Preis

Kurz gesagt

Kostenlose Prozesssimulation gibt es in vier Formen. Quelloffen und uneingeschränkt kommerziell nutzbar sind SimPy, Salabim, Ciw (alle Python) und JaamSim (Java, mit Oberfläche) — Sie schreiben das Modell dabei als Programm oder bedienen eine sperrige Oberfläche. Die AnyLogic Personal Learning Edition ist kostenlos, aber ausdrücklich nicht für kommerzielle Nutzung. Bizagi Modeler erlaubt kostenloses Modellieren; der Simulationsumfang hängt an der Edition. FlowVisual lässt Modellieren und Stresstesten dauerhaft kostenlos und verlangt für Speichern, Vergleichen und Export eine Lizenz. Der wahre Preis quelloffener Werkzeuge ist die statistische Verantwortung: Aufwärmphase, Replikationszahl und Verteilungswahl liegen bei Ihnen.

Bevor es um Werkzeuge geht: „Kostenlos“ bedeutet in diesem Markt vier verschiedene Dinge, und der Unterschied ist rechtlich, nicht kosmetisch.

ArtWas Sie dürfenTypische Falle
QuelloffenAlles, auch kommerziellSie tragen die statistische Verantwortung
Kostenlose StufeEinen definierten Teil, dauerhaftDer entscheidende Schritt liegt hinter der Grenze
Lehr-EditionLernen und Ausprobieren, nicht kommerziellWird im Kundenprojekt eingesetzt und ist damit Lizenzbruch
TestzeitraumAlles, für 14 oder 30 TageDas Projekt dauert länger als der Test

Die dritte Zeile ist die gefährlichste. Ein Modell, das in einer Lehr-Edition entstanden ist, gehört nicht in ein Angebot an einen Kunden — unabhängig davon, wie gut es ist.

1. SimPy (Python, quelloffen)

Die verbreitetste freie DES-Bibliothek. Prozessbasiert, sehr klarer Kern: Prozesse sind Generatorfunktionen, Ressourcen sind Objekte mit Kapazität, die Uhr springt von Ereignis zu Ereignis.

Stark, wenn: Ihr Team ohnehin Python schreibt. Modelle liegen in der Versionsverwaltung, Parameterläufe sind eine Schleife, die Auswertung passiert mit denselben Werkzeugen wie der Rest Ihrer Analytik.

Schwach, wenn: jemand ausserhalb des Teams das Modell prüfen oder bedienen soll. Es gibt keine Oberfläche, keine Animation, keine Statistik ab Werk — Konfidenzintervalle rechnen Sie selbst.

2. Salabim (Python, quelloffen)

SimPy-nah, aber mit Animation und Warteschlangenstatistik eingebaut. Für alle, die den Python-Weg wollen, aber im Termin etwas zeigen müssen.

Stark, wenn: Sie das Verhalten sichtbar machen wollen, ohne ein kommerzielles Werkzeug zu kaufen.

Schwach, wenn: die Zielgruppe kein Skript sehen will, egal wie hübsch die Animation ist.

3. Ciw (Python, quelloffen)

Auf Warteschlangennetze zugeschnitten und wissenschaftlich sauber dokumentiert. Wer Netze mit mehreren Knoten, Prioritäten und Ausweichrouten rechnet, findet hier die passendsten Begriffe.

Stark, wenn: die Fragestellung warteschlangentheoretisch ist und Sie die Ergebnisse gegen die Theorie prüfen wollen.

Schwach, wenn: Sie Kosten, Kalender und Rollen brauchen — das müssen Sie selbst danebenbauen.

4. JaamSim (Java, quelloffen)

Das einzige quelloffene Werkzeug mit einer richtigen grafischen Oberfläche: Bausteine ziehen, verbinden, Parameter setzen, laufen lassen — inklusive 2-D-Animation.

Stark, wenn: Sie eine Oberfläche brauchen und keine Lizenz zahlen wollen.

Schwach, wenn: Sie Bedienkomfort auf dem Niveau kommerzieller Labore erwarten. Die Oberfläche ist funktional, nicht freundlich.

5. AnyLogic Personal Learning Edition

Kostenlos, mit dem vollen Funktionsumfang der Methodenvielfalt — diskret, agentenbasiert, systemdynamisch —, aber mit klaren Auflagen: nicht für kommerzielle Nutzung, dazu Einschränkungen bei Modellgrösse und Export.

Stark, wenn: Sie lernen, lehren oder ausprobieren wollen, ob mehrmethodige Modellierung Ihr Problem löst.

Schwach, wenn: das Ergebnis in ein Angebot, eine Entscheidungsvorlage oder eine Kundenpräsentation soll. Dann brauchen Sie die kommerzielle Edition, und das ist der eigentliche Zweck der Lernversion.

6. Bizagi Modeler

BPMN-Modellierung ist kostenlos nutzbar, die Simulation läuft in Stufen — Prozessvalidierung, Zeitanalyse, Ressourcenanalyse, Kalenderanalyse. Wie weit Sie kostenlos kommen, hängt an Produktstand und Edition; prüfen Sie das vor der Planung, nicht danach.

Stark, wenn: Sie ohnehin in BPMN dokumentieren und die Simulation im selben Artefakt haben wollen.

Schwach, wenn: Sie Bandbreiten statt Punktwerten brauchen oder das Modell grob halten wollen: Ein dokumentationsreifes Diagramm hat dreissig Aktivitäten, ein rechenbares braucht zehn.

7. FlowVisual (kostenlose Stufe)

Modellieren und Stresstesten sind dauerhaft kostenlos — inklusive Engpassanzeige, Auslastung am Spitzentag und Durchlaufzeit als P10–P90-Band. Kostenpflichtig sind Speichern, der Vorher/Nachher-Vergleich und die PDF-Ausgabe.

Stark, wenn: Sie in einer halben Stunde wissen wollen, wo der Engpass eines Verwaltungsprozesses sitzt, ohne Konto und ohne dass Daten das Gerät verlassen.

Schwach, wenn: Sie Fertigung auslegen. Transportlogik, Rüstmatrizen und Experimentpläne fehlen bewusst.

Was Sie beim Sparen wirklich bezahlen

Statistische Verantwortung. Bei den Bibliotheken entscheiden Sie über Aufwärmphase, Replikationszahl und Verteilungswahl. Wer das kann, spart viel Geld. Wer es nicht kann, produziert Zahlen mit falscher Sicherheit — und die sind schädlicher als gar keine.

Beteiligungsfähigkeit. Der grösste Nutzen einer Simulation entsteht im Workshop, wenn der Fachbereich widerspricht und das Modell korrigiert. Ein Skript kann das nicht: Wer nicht liest, was darin steht, kann auch nicht widersprechen.

Wartung. Ein Skript, das eine Person geschrieben hat, ist nach deren Weggang ein Artefakt. Ein Modell in einem Werkzeug mit Oberfläche überlebt den Wechsel eher.

Die Wahl in drei Fragen

  1. Darf das Ergebnis kommerziell verwendet werden? Wenn ja, fallen Lehr-Editionen aus — vollständig, nicht „mit Hinweis“.
  2. Schreibt Ihr Team Python? Wenn ja, ist SimPy oder Ciw die günstigste ernsthafte Lösung. Wenn nein, ist es keine Lösung.
  3. Muss jemand mitschauen? Wenn ja, brauchen Sie eine Oberfläche — JaamSim, Bizagi oder ein Werkzeug mit kostenloser Stufe.

Zusammengefasst

  • Vier Bedeutungen von „kostenlos“, und nur zwei davon erlauben kommerzielle Nutzung.
  • Quelloffen ist stark für programmierende Teams, schwach für Beteiligung.
  • Lehr-Editionen sind kein Weg für Kundenprojekte.
  • Kostenlose Stufen kommerzieller Werkzeuge sind der pragmatischste Einstieg, wenn die Grenze hinter dem liegt, was Sie brauchen.

Häufige Fragen

Gibt es wirklich kostenlose Prozesssimulation für kommerzielle Nutzung?

Ja: SimPy, Salabim, Ciw und JaamSim stehen unter freien Lizenzen und dürfen kommerziell verwendet werden. Nicht kostenlos für kommerzielle Nutzung sind Lehr- und Lernversionen kommerzieller Produkte, etwa die AnyLogic Personal Learning Edition. Kostenlose Stufen kommerzieller Werkzeuge liegen dazwischen — erlaubt ist, was die Stufe umfasst.

Ist SimPy schwer zu lernen?

Der Kern nicht: Prozesse sind Generatorfunktionen, Ressourcen sind Objekte mit Kapazität, ein einfaches Warteschlangenmodell steht in fünfzig Zeilen. Schwer ist das, was danach kommt — Aufwärmphase, Replikationszahl, Verteilungswahl und Konfidenzintervalle. Diese Entscheidungen nehmen Ihnen kommerzielle Werkzeuge teilweise ab; bei einer Bibliothek liegen sie vollständig bei Ihnen.

Kann ich mit Excel kostenlos simulieren?

Nur eingeschränkt. Excel addiert Bearbeitungszeiten, bildet aber keine Warteschlange vor einem belegten Schritt ab — und dort entsteht Durchlaufzeit. Monte-Carlo-Ziehungen lassen sich nachbauen, die Verkettung der Schritte nicht: Ein Schritt hinter dem Engpass wirkt in der Tabelle entspannt und wird nach dessen Lösung selbst zum Engpass.

Reicht eine kostenlose Stufe für einen Business Case?

Für den analytischen Teil oft ja — Engpass, Auslastung, Durchlaufzeit als Band. Was in kostenlosen Stufen typischerweise fehlt, ist die Ausgabe: Speichern, Vorher/Nachher-Vergleich, PDF mit Annahmenliste. Genau diese Teile sind es aber, die ein Lenkungskreis liest, und deshalb liegen sie hinter der Grenze.

Was ist der grösste versteckte Kostenblock?

Beteiligung. Der Nutzen einer Simulation entsteht überwiegend im Workshop, wenn der Fachbereich das Modell korrigiert. Ein Werkzeug ohne Oberfläche schliesst diesen Teil aus, und was dort nicht korrigiert wird, kommt später in der Abschlusspräsentation — dann als Einwand gegen das Ergebnis.

FlowVisual

Rechnen Sie es an Ihrem eigenen Prozess durch

FlowVisual macht aus den Zahlen dieses Artikels ein Modell, das läuft — mit Ihren Mengen, Ihren Kapazitäten, Ihrer Spanne.

Anleitung: in sieben Schritten zur Zahl